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Risiken

"Nicht jeder kommt nach dem Aussteigen mit der neuen Situation klar."

Wir haben von einem Familienvater gehört, der unbedingt für eine längere Zeit seinen Südamerikatraum leben wollte. Nach langen Diskussionen mit der Familie wurde sogar das gemeinsame Haus verkauft. Frau und Kinder zogen in eine Mietwohnung und er zog ohne Sprachkenntnisse nach Südamerika in den Regenwald. Das Abenteuer dauerte nur wenige Wochen. Dann stand er von Moskitos zerstochen und völlig entnervt wieder in Deutschland vor seiner Familie.

So kann es kommen und er ist bestimmt nicht der einzige, der als Aussteiger Schiffbruch erlitten hat. Auch diejenigen, die jahrelang hauptsächlich für die Arbeit gelebt haben und wenig Zeit für andere Dinge hatten, können in ein tiefes Loch fallen, wenn direkte Ziele und Aufgaben und ein geregelter Tagesablauf fehlen.

Tipps


1. Bloß nicht abstürzen! In unserer Gesellschaft identifizieren wir uns meist über den ausgeübten Beruf, Titel und Amt, Verdienst und Besitz. Direkt damit verknüpft sind der soziale Status, das Ansehen und die Kreise, in denen wir verkehren. Werte wie Glück, Zufriedenheit, Freundschaft, Zuverlässigkeit, Zeit und Taten für sich und andere spielen leider oft eine geringere Rolle.

Wer einen Ausstieg wagt und sein Leben ändern will, muss oft auf Gewohntes verzichten und damit rechnen, dass nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Insbesondere bei einem zeitlich unbefristeten Ausstieg können folgende Probleme auftreten:
  • Geldsorgen (Aussteigen ganz ohne Geld klingt gut, funktioniert aber nicht lange!)
  • Langeweile und Unterforderung, Antriebslosigkeit
  • fehlender Komfort und ungewohnte Anstrengungen
  • Außenseitersein, Einsamkeit und fehlende Anerkennung/Wertschätzung
  • Selbstzweifel, Intoleranz, Neid, Zukunftssorgen oder gar Hoffnungslosigkeit
  • Sprach- und Kontaktprobleme


Wird man durch einen Ausstieg wirklich alle seine Sorgen los oder flieht man nur vor ihnen? Ungelöste psychische Probleme holen uns wahrscheinlich immer wieder ein. Träume, Ansprüche, Erfahrungen, Ziele und Pläne ändern sich im Laufe des Lebens. Was heute noch toll und erstrebenswert erscheint, führt vielleicht schon morgen zum bösen Erwachen. Hätte ich doch bloß ....! Was mache ich, wenn mein Plan scheitert?

Die Rückkehr in das " alte Leben" ist schwierig und an Wiedereinstellungszusagen können sich frühere Arbeitgeber plötzlich nicht mehr so gut erinnern. Einen neuen Job zu finden, ist nicht immer leicht und von Sozialhilfe auf Kosten anderer zu leben, ist auch nicht gerade schön.

"Deshalb sind eine gute Ausbildung und ein Plan B so wichtig!"



2. Vermeide die häufigsten Fehler von Langzeit-Aussteigern/Auswanderern
  • Der Ausstieg erfolgt völlig unüberlegt, spontan, aus Frust oder als Flucht vor eigenen Problemen.
  • Es gibt weder ausreichende Ersparnisse noch einen realistischen Plan für den zukünftigen Gelderwerb.
  • Viele meinen, es gäbe noch irgendwo "Paradiese" und alles wäre dort besser als in Deutschland.
  • Der Ausstieg erfolgt viel zu früh, manchmal ohne abgeschlossene Ausbildung, ohne Berufserfahrung, mit zu wenig Lebenserfahrung und ohne "Probelauf" (zeitlich befristete Auszeit / Sabbatical).
  • Die neue Freiheit und Freizeit wird nicht sinnvoll für neue Aufgaben, Qualifikationen, Abenteuer oder Hobbies genutzt, sondern mehr oder weniger nur mit Nichtstun verbracht.
  • Aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor einschneidenden Veränderungen wird nichts unternommen, um aus einer sozialen Abwärtsspirale "Nichtstun-Antriebslosigkeit-Verwahrlosung" herauszukommen und das eigene Leben wieder in den Griff zu kriegen.
  • Auf Gesundheits- und Altersvorsorge wird völlig verzichtet.
  • Alle bestehende Kontakte/Verbindungen werden abgebrochen und es gibt keinen Plan für einen eventuell erforderlichen Wiedereinstieg bzw. für eine Rückkehr nach Deutschland.
  • Erfahrungen anderer Aussteiger und Auswanderer werden nicht genutzt, obwohl es dafür z.B. viele Bücher gibt.



3. Keine Angst!: Das Aufzählen von Risiken soll Dich nicht von Deinen Gedanken und Plänen abhalten! Aber das Erkennen und Bewusstmachen möglicher Gefahren ist der beste Weg, Bruchlandungen zu vermeiden. Also, was kann Dir schlimmstenfalls passieren? Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, jedoch ist es genau so wichtig, auch einmal ein Risiko einzugehen und etwas zu verändern. Wer nicht wagt, der ...


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