Sabbatical und andere Möglichkeiten 

„Viele Menschen verschieben die Erfüllung ihrer Träume auf später, auf eine Zeit im Rentenalter."

Beruflicher Erfolg hat für die meisten Menschen eine hohe Priorität. Der Preis, den wir für Anerkennung und guten Verdienst zahlen, heißt in der Regel stets steigender Arbeitsdruck und permanenter Zeitmangel. Gesundheitliche Probleme, soziale Isolation und Schwierigkeiten in der Familie können die Folge sein. Keiner kann von heute auf morgen aus seiner Haut, jedoch kann die Änderung der Rahmenbedingungen schon bald zu mehr Lebensqualität verhelfen. Je nach Lebensalter und -situation ergeben sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten, aus dem normalen Trott auszusteigen.

 

A) Schüler/Auszubildende/Studenten
Eine individuelle Auszeit während eines Ausbildungsabschnittes  ist bekanntlich kaum zu realisieren. Da bleiben lediglich Ferien oder z.B. internationale Austauschprogramme, um sich zu erholen bzw. mal etwas anderes zu machen. Aber zwischen dem Schulabschluss, der Berufausbildung und dem Berufseinstieg gibt es für junge Menschen zahlreiche Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit auszusteigen. Du kannst nach dem Schulabschluss z.B. ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren oder als Au Pair in einem ausländischen Haushalt helfen und erst ein Jahr später mit ganz neuen Erfahrungen und sehr guten Sprachkenntnissen die Berufsausbildung beginnen. Aber auch Gelegenheitsjobs, Sprachkurse, Studiensemester oder Praktika im Ausland sind eine tolle Chance, andere Länder, Sitten und Sprachen kennen zu lernen. Am besten ist eine Kombination aus Arbeiten/Praktikum, Sprachkurs und Reisen, damit Du in der Zeit Geld verdienst, etwas Neues lernst und der Spaß nicht zu kurz kommt. Im Internet findest Du für die meisten Länder tolle Anregungen und Informationen (z.B. allgemein unter www.ba-auslandsvermittlung.de oder für unser persönliches Traumland www.australien-ausbildung.com).

Denke unbedingt daran, dass Dich spätere Arbeitgeber nach Lücken im Lebenslauf fragen werden. Wenn Du in dieser Zeit (maximal ein Jahr) etwas "Nützliches" gemacht hast, kann das sogar positiv bewertet werden. Reine Erholungsphasen (Schillen) oder längere Lücken ergeben schnell den Eindruck von Trägheit und/oder Ziellosigkeit. Wir sind mit 29 das erste Mal "ausgestiegen", um zwischen Studium und Berufseinstieg für drei Monate Neuseeland zu bereisen. Es war nicht ganz einfach, dies dem Arbeitgeber zu erklären. Wir haben es gemacht und nie bereut.

B) Berufstätige
Auch diejenigen, die bereits im Berufsleben stehen, haben verschiedene Möglichkeiten, aus dem gewohnten Alltag auszusteigen. Der Wechsel auf eines der folgenden Arbeitszeitmodelle kann einen wichtigen Schritt bedeuten:

1. Sabbatical - Auszeit vom Job:
Eine tolle Möglichkeit, um für einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten bis zu einem Jahr etwas ganz anderes zu tun und neue Motivation und Energie für den Beruf zu tanken. Denn permanente Überstunden, Wochenendarbeit, dauernder Stress sind für immer mehr Arbeitnehmer Grund genug, sich eine vorübergehende Auszeit zu nehmen. Der Vorteil für den Arbeitnehmer liegt in der Weiterbeschäftigungsgarantie und manchmal sogar in den weiterlaufenden Zahlungen durch die Firma. Diese erhält im Gegenzug einen erholten und neu motivierten Mitarbeiter zurück. 

2. Teilzeitarbeit und Zeitkonten: Viele Arbeitnehmer haben seit 2001 (Gesetz über Teilzeitarbeit) im Normalfall einen Anspruch auf Teilzeit! Voraussetzungen: Arbeitsverhältnis besteht länger als 6 Monate, mehr als 15 feste Mitarbeiter im Betrieb, Beantragung mindestens 3 Monate vor geplanter Umstellung. Wenn keine betrieblichen Gründe dagegen stehen, muss der Arbeitgeber zustimmen. Die häufigste Form ist sicherlich die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit. Aber auch ganze freie Tage können vereinbart werden. Beim sogenannten Jobsharing wird eine Stelle auf mehrere Personen aufgeteilt, so dass ganze freie Wochen oder Monate möglich sind. Auch eine variable Teilzeitarbeit ist möglich. Je nach Auftragslage wird in Vollzeit oder gar nicht gearbeitet.

Bei einem anderen Modell wird unverändert in Vollzeit gearbeitet, aber nur Teilzeit bezahlt. Die Differenz wird angespart als Zeit- oder Geldguthaben auf einem "Langzeitkonto". So werden längere Urlaubsphasen, Sabbatical-Zeiten oder sogar der vorzeitige Ruhestand möglich. Das Teilzeitgehalt wird dabei jeweils weitergezahlt. 

In größeren Betrieben gibt es bereits Arbeitszeitkonten als Kann-Regelung. Wer kann und möchte, arbeitet mehr als er eigentlich per Vertrag müsste. Diese Mehrarbeit kann man auf einem Arbeitszeit-Konto ansparen und je nach Bedarf wieder abbuchen.

3. Telearbeit: Arbeiten am eigenen Schreibtisch zuhause klingt verlockend, kommt aber noch relativ selten vor, obwohl diese Arbeitsform mindestens bei Büroberufen Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedeuten kann. Also einfach mit dem Chef über diese Möglichkeit reden. Eine Mischform aus Arbeit in der Firma und Arbeit von zu Hause aus könnten Vorbehalte ausräumen, da eine regelmäßige Integration im Betrieb und der soziale Kontakt zu Kollegen erhalten bleiben. Die moderne Kommunikationsmittel unserer Zeit machen Telearbeit auf jeden Fall ohne weiteres möglich.

4. Altersteilzeit: Altersteilzeit macht es Arbeitnehmern über 55 möglich, ihre wöchentliche Arbeitszeit bis zum Ruhestand schrittweise zu reduzieren. Das führt zwar einerseits zu Einkommens- und Renteneinbußen, andererseits aber auch zu einem deutlich früheren Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben. Und wer sich die finanziellen Einbußen einmal durchrechnen lässt, wird vielleicht feststellen, dass diese sogar vertretbar sind. Die Blockaltersteilzeit  kommt am häufigsten vor. Der Arbeitnehmer arbeitet in der ersten Hälfte der Altersteilzeit weiter in Vollzeit, erhält aber nur das reduzierte Gehalt. Dafür arbeitet er in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr. Das Altersteilzeit-Gehalt läuft natürlich auch weiter. Eine Reduzierung der Arbeitszeit um 50%, tage-, wochen- oder monatsweise ist ebenfalls eine Vereinbarungsmöglichkeit. 

Jetzt musst Du nur noch Deinen Chef überzeugen: Informiere Dich zuerst nach den gesetzlichen und betrieblichen Regelungen. Der Betriebsrat kann Dir sicher dabei helfen. Überlege, welcher Zeitraum für Dich aber ebenso für die Firma günstig wäre und welche Vorteile sich für beide Seiten bieten könnten (neue Motivation, persönliche Weiterentwicklung, Überbrückung eines Auftragslochs, positives Firmenimage als moderner Arbeitgeber, ...). Vereinbare einen günstigen Termin für ein persönliches Gespräch. Der Chef sollte nicht gerade im Stress, sondern gut drauf sein. Schildere ihm die Vorteile und mache auch gleich Vorschläge für die organisatorische Umsetzung (Vertretung, Überstundenabbau nach Projektabschluss, ...). Lass ihm Zeit für eine Entscheidung. Vielleicht kommt er ja auch auf die Idee, selbst mal eine Auszeit zu nehmen. Denn keiner ist unersetzlich und immer mehr begreifen, dass Job und Karriere nicht Alles sind im Leben.

5. Kündigung
Wenn Dein Chef nicht mitzieht oder kein passendes Modell für Dich dabei ist, bleibt ja noch die Kündigungsmöglichkeit. Aber dieser Schritt sollte wohl überlegt sein! Nur wenn Du einen realistischen Zukunftsplan hast bzw. finanziell ausreichend vorgesorgt hast, kannst Du selbst bestimmen, wie es weiter geht. Wir beispielsweise haben uns als Freiberufler "selbstständig" gemacht, arbeiten in den Sommermonaten in Deutschland und verbringen/reisen den Winter im Ausland. Viele andere sind ganz ausgewandert.

Ausführliche Informationen zu allen arbeitsrechtlichen Themen wie z.B. Sabbatical, Arbeitszeitmodellen, Kündigung, ... findest Du unter www.arbeitsratgeber.com .

 

Kurzgeschichte


Fliegen: traumhaft schön!

Heute schon gelebt?
Gerade draußen in der Natur, abseits von Lärm und Hektik, erleben wir, wie schön das Leben ist. In Griechenland fuhren wir drei Monate mit unserem kleinen Wohnmobil "Horst" die Küste entlang und fanden dort traumhaft schöne Plätze zum Baden, Lesen, Paddeln, Radfahren, ...

Und wenn wir schon morgens vor dem Frühstück den Tag mit einem ruhigen Gleitflug zum Strand beginnen konnten, war uns erneut klar: Wir möchten nie wieder jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch sitzen.