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Möglichkeiten

"Du hast nur dieses eine Leben, aber so viele Möglichkeiten ..."

Beruflicher Erfolg hat für die meisten Menschen eine hohe Priorität. Der Preis, den wir für Anerkennung und guten Verdienst zahlen, heißt in der Regel stets steigender Arbeitsdruck und permanenter Zeitmangel. Gesundheitliche Probleme, soziale Isolation und Schwierigkeiten in der Familie sind oft die Folge. Keiner kann von heute auf morgen aus seiner Haut, jedoch kann die Änderung der inneren Einstellung und der Rahmenbedingungen schon bald zu mehr Lebensqualität verhelfen. Je nach Lebensalter und -situation ergeben sich für Schüler/Azubi/Studenten, Berufstätige, Rentner und Arbeitslose ganz unterschiedliche Möglichkeiten, aus dem normalen Trott auszusteigen und zum Beispiel im Ausland ganz neue Erfahrungen zu sammeln.


"Die Kunst des Lebens besteht darin, zu lernen, bei Regen zu tanzen anstatt auf Sonnenschein zu warten!" (Zitat)

Tipps


A) Schüler/Auszubildende/Studenten
Eine individuelle Auszeit während eines Ausbildungsabschnittes ist bekanntlich kaum zu realisieren. Da bleiben lediglich Ferien oder z.B. internationale Austauschprogramme, um sich zu erholen bzw. mal etwas anderes zu machen. Aber zwischen dem Schulabschluss, der Berufsausbildung und dem Berufseinstieg gibt es für junge Menschen zahlreiche Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit auszusteigen. BrisbaneDu kannst nach dem Schulabschluss z.B. ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren oder als Au Pair in einem ausländischen Haushalt helfen und erst ein Jahr später mit ganz neuen Erfahrungen und sehr guten Sprachkenntnissen die Berufsausbildung beginnen. Aber auch Gelegenheitsjobs, Sprachkurse, Studiensemester oder Praktika im Ausland sind eine Chance, andere Länder, Sitten und Sprachen kennen zu lernen. Möglich ist Kombination aus Arbeiten/Praktikum, Sprachkurs und Reisen. So kannst Du Dich in der Zeit sozial engagieren, Geld verdienen, Neues lernen und viel Spaß haben. Im Internet findest Du dazu für viele Länder Anregungen und Informationen (z.B.  unter www.ba-auslandsvermittlung.de, www.australien-ausbildung.com, www.in-australien.com oder  www.naturevolunteers.com). Wenn Du Geld ins Ausland oder wieder zurück nach Deutschland überweisen willst, dann kannst Du mit TransferWise die sonst üblichen hohen Gebühren sparen.

Denke unbedingt daran, dass Dich spätere Arbeitgeber nach Lücken im Lebenslauf fragen werden. Wenn Du in dieser Zeit etwas "Nützliches" gemacht hast, kann das sogar positiv bewertet werden. Reine Erholungsphasen oder längere Lücken ergeben schnell den Eindruck von Trägheit und/oder Ziellosigkeit. Wir sind mit 29 das erste Mal "ausgestiegen", um zwischen Studium und Berufseinstieg für drei Monate Neuseeland zu bereisen. Es war nicht ganz einfach, dies dem Arbeitgeber zu erklären. Wir haben es gemacht und nie bereut.




B) Berufstätige
Auch diejenigen, die bereits im Berufsleben stehen, haben verschiedene Möglichkeiten, aus dem gewohnten Alltag auszusteigen. Der Wechsel auf eines der folgenden Arbeitszeitmodelle kann einen wichtigen Schritt bedeuten:

1. Teilzeitarbeit und Zeitkonten: Viele Arbeitnehmer haben seit 2001 (Gesetz über Teilzeitarbeit) im Normalfall einen Anspruch auf Teilzeit! Voraussetzungen: das Arbeitsverhältnis besteht länger als 6 Monate, es sind mehr als 15 feste Mitarbeiter im Betrieb, die Beantragung muss mindestens 3 Monate vor geplanter Umstellung erfolgen. Wenn keine betrieblichen Gründe dagegen stehen, muss der Arbeitgeber zustimmen. Die häufigste Form ist sicherlich die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit. Aber auch ganze freie Tage können vereinbart werden. Beim sogenannten Jobsharing wird eine Stelle auf mehrere Personen aufgeteilt, so dass ganze freie Wochen oder Monate möglich sind. Auch eine variable Teilzeitarbeit ist möglich. Je nach Auftragslage wird in Vollzeit oder gar nicht gearbeitet.

Bei einem anderen Modell wird unverändert in Vollzeit gearbeitet, aber nur Teilzeit bezahlt. Die Differenz wird angespart als Zeit- oder Geldguthaben auf einem "Langzeitkonto". So werden längere Urlaubsphasen, Sabbatical-Zeiten oder sogar der vorzeitige Ruhestand möglich. Das Teilzeitgehalt wird dabei jeweils weitergezahlt. In größeren Betrieben gibt es bereits Arbeitszeitkonten als Kann-Regelung. Wer kann und möchte, arbeitet mehr als sie/er eigentlich per Vertrag müsste. Diese Mehrarbeit wird auf einem Arbeitszeit-Konto angespart und nach Bedarf wieder abgebucht. Auch für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst gibt es entsprechende Regelungen.

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2. Sabbatical - Auszeit vom Job: Eine gute Möglichkeit, um für einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten bis zu einem Jahr etwas ganz anderes zu tun und neue Motivation und Energie für den Beruf zu tanken. Denn permanente Überstunden, "Rund um die Uhr"-Erreichbarkeit, Wochenendarbeit und dauernder Stress sind für immer mehr Arbeitnehmer Grund genug, sich eine vorübergehende Auszeit zu nehmen. Der Vorteil für den Arbeitnehmer liegt in der Weiterbeschäftigungsgarantie und manchmal sogar in den weiterlaufenden Zahlungen durch die Firma. Diese erhält im Gegenzug einen erholten und neu motivierten Mitarbeiter zurück. mehr ...

3. Telearbeit: Arbeiten am eigenen Schreibtisch zuhause klingt verlockend, kommt aber noch relativ selten vor, obwohl diese Arbeitsform mindestens bei Büroberufen Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedeuten kann. Also einfach mit dem Chef über diese Möglichkeit reden. Eine Mischform aus arbeiten in der Firma und von zu Hause aus könnten Vorbehalte ausräumen, da eine regelmäßige Integration im Betrieb und der soziale Kontakt zu Kollegen erhalten bleiben. Die moderne Kommunikationsmittel unserer Zeit machen Telearbeit auf jeden Fall möglich.

4. Altersteilzeit: Altersteilzeit ermöglicht es Arbeitnehmern über 55, ihre wöchentliche Arbeitszeit bis zum Ruhestand schrittweise zu reduzieren. Das führt zwar einerseits zu Einkommens- und Renteneinbußen, andererseits aber auch zu einem deutlich früheren Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben. Und wer sich die finanziellen Einbußen einmal durchrechnen lässt, wird vielleicht feststellen, dass diese vertretbar sind. Die Blockaltersteilzeit kommt am häufigsten vor. Der Arbeitnehmer arbeitet in der ersten Hälfte der Altersteilzeit weiter in Vollzeit, erhält aber nur das reduzierte Gehalt. Dafür arbeitet er in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr. Das Altersteilzeit-Gehalt läuft natürlich auch weiter. Eine Reduzierung der Arbeitszeit um 50%, tage-, wochen- oder monatsweise ist ebenfalls eine Vereinbarungsmöglichkeit. Jetzt musst Du nur noch Deinen Chef überzeugen: Informiere Dich zuerst nach den gesetzlichen und betrieblichen Regelungen. Der Betriebsrat kann Dir sicher dabei helfen.

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5. Kündigung: Wenn Dein Chef nicht mitzieht oder kein passendes Modell für Dich dabei ist, bleibt ja noch die Möglichkeit zu kündigen. Aber dieser Schritt sollte wohl überlegt sein, denn wer gibt schon gerne die gewohnte Sicherheit auf. Nur wenn Du einen realistischen Zukunftsplan hast bzw. finanziell ausreichend vorgesorgt hast, kann dieser Schritt sinnvoll sein.

Schon bei der Wahl des Austrittstermin gibt es einiges zu beachten (Kündigungsfrist, Urlaubsanspruch, persönliche und steuerliche Gesichtspunkte). Wenn Du z.B. im Sommer aufhörst zu arbeiten, bekommst Du nach der nächsten Steuererklärung einiges an Steuern zurückerstattet, da Dein Jahreseinkommen nur etwa halb so hoch ausfällt. Außerdem musst Du spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses das Arbeitsamt (Bundesagentur für Arbeit) informieren, um eventuelle Ansprüche auf Arbeitslosengeld I geltend machen zu können. Nach einer üblichen Sperrfrist von drei Monaten (wegen Eigenkündigung) kannst Du dann abhängig von Alter, Versicherungsdauer und evtl. Restansprüchen Arbeitslosengeld für 6 bis 18 Monate erhalten, vorausgesetzt du stehst dem Arbeitsmarkt auch tatsächlich zur Verfügung! Befindest Du Dich jedoch auf einer Reise, ist dies nicht der Fall! Und nach der Rückkehr von dieser Reise besteht nur dann ein Anspruch, wenn du in den letzten 24 Monaten mindestens 12 Monate lang Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt hast. Sobald Du aber nach dem Job länger als ein Jahr auf Reisen bist, hast Du automatisch die Ansprüche aus Deinen früheren Beitragszahlungen verloren! (... es sei denn, Du hast direkt vor der Reise mindestens einen Tag Arbeitslosengeld I bezogen und nach der Reise noch "Restansprüche"). Da dieses Thema mit seine vielen Sonderregelungen und laufenden Änderungen komplex ist, sollte man sich unbedingt frühzeitig bei der Agentur für Arbeit informieren.

Generell jedoch sind weder Arbeitslosengeld I noch Arbeitslosengeld II (Hartz4) für die gedacht, die zwar arbeiten könnten, aber stattdessen lieber "aussteigen" und sich das ganze vom Staat (von uns allen) finanzieren lassen wollen!

Überlege genau, wem Du was wann erzählst, denn Deine Kündigung wird sich sehr schnell im Kollegen- und Bekanntenkreis herumsprechen und viele Fragen oder Gerüchte nach sich ziehen.

Auch wir haben gekündigt und arbeiten in den Sommermonaten freiberuflich in Deutschland als Outdoor-Trainer und verbringen/reisen den Winter im Ausland. Viele andere sind ganz ausgewandert.




C) Rentner
So viele Jahre hast Du die meiste Zeit des Tages bei Deiner Arbeit verbracht. Und plötzlich, von einem Tag auf den anderen bist Du Rentner. Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen reißt bald ab und für Deine jahrelange Erfahrung interessiert sich auch keiner mehr. Na ja, dann macht man sich eben zuhause etwas nützlich und gibt dem Partner Tipps zur besseren Haushaltsführung, was bestimmt gut ankommt.

Viele freuen sich auf die Rente, haben große Pläne und zählen die Wochen und Tage bis zum letzten Arbeitstag. Aber wenn es dann soweit ist, fallen sie erst einmal in eine tiefe Sinnkrise, weil sie nicht wissen, was sie mit der vielen Freizeit machen sollen. Die oft angeschlagene Gesundheit lässt viele der früheren Pläne nicht mehr zu und die Tageszeitung, der Mittagsschlaf, der Fernseher und das eine Hobby helfen auch nicht über den ganzen Tag.

In Frankreich treffen sich die " alten" täglich stundenlang zum Boules-Spiel und Geschichten-Erzählen auf dem Dorfplatz. In den USA verkaufen viele Rentner ihr Haus und werden Wohnmobil-Nomaden. Als "snow birds" (Zugvögel) reisen sie im Winter in den warmen Süden und verbringen den Sommer in den nördlichen Staaten. Dabei treffen sie sich immer wieder mit alten Bekannten. Auch immer mehr Nordeuropäer verbringen die dunklen Wintermonate lieber in wärmeren Ländern, wie z.B. in der Türkei, auf Zypern, auf den Kanarischen Inseln oder in Thailand. Dort sind viele Hotels nicht ausgelastet und bieten deshalb sehr günstige Langzeittarife an.

Soziale Kontakte und neue Abenteuer halten jung und aktiv! Warum also nicht einen ganz neuen Lebensabschnitt beginnen,
  • einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil kaufen und auf große Fahrt gehen
  • bei einer Wander- oder Gymnastik-Gruppe mitmachen
  • den Garten neu gestalten oder die Wohnung renovieren
  • die Stadt-, Dorf- oder Familiengeschichte erforschen
  • sich Hund, Katze oder Papagei zulegen oder vielleicht sogar Tiere zu züchten
  • sich sozial oder politisch engagieren und seine Lebenserfahrung einbringen
  • mit neuen Hobbies anfangen (Fotografie, Computer, Sport, Malen, Schreiben, Basteln und Werken, ...
  • eine ehrenamtliche Aufgabe im Verein oder eine Hausmeistertätigkeit übernehmen



D) Arbeitslose
Während immer mehr Menschen über zunehmender Arbeitsbelastung und Stress klagen und sich eine längere Auszeit wünschen, leiden Arbeitslose oft an Unterforderung, Langeweile und Perspektivlosigkeit. Es klingt paradox:
Die einen wünschen sich eine Arbeitspause und genießen diese auch, wenn sie diese bekommen, andere fallen in ein tiefes Loch, da die "Auszeit" durch Arbeitslosigkeit nicht selbstbestimmt ist. Es hängt also viel mit der inneren Einstellung zusammen!

Was kann einem in der Zeit der Arbeitslosigkeit helfen, um Frust und das Gefühl der Nutzlosigkeit zu vermeiden?
Das Wichtigste ist bestimmt, auch ohne die gewohnte Arbeit etwas Sinnvolles zu tun und dem Tag wieder einen geregelten Ablauf zu geben. Warum also die Arbeitslosigkeit nicht nutzen, um Neues zu lernen, sich selbstständig zu machen oder anderen zu helfen?

Lange Reisen sind meist nicht möglich, denn Arbeitslose müssen ja "erreichbar" sein. Außerdem fehlt hierfür meist das Geld. Aber auch Vorort gibt es viele Möglichkeiten: jugendarbeit
  • ehrenamtliche Jugendarbeit in Vereinen
  • Unterstützung von sozialen Projekten (z.B. über Freiwilligen-Agenturen, Vogelschutzbund, Greenpeace, Rotes Kreuz, Tierheim, Essenausgabe in sozialen Tafeln, Nachhilfe für schwache Schüler, Sprachunterricht für Flüchtlinge, ...)
  • langsam mit Sport anfangen
  • regelmäßiges "Stöbern" in der Bibliothek
  • Moderation in Internet-Foren, Autor für Wikipedia, openstreetmap, ...
  • Erlernen von Fremdsprachen oder Computerprogrammen

Hauptsache, Du gibst dem täglichen Tun wieder einen Sinn! Die Bestätigung durch Erfolgserlebnisse und Dankbarkeit anderer verleiht Dir neue Kraft, Selbstvertrauen und Zuversicht.

Ratgeber Aussteigen Sabbatical
Heute schon gelebt?
Gerade draußen in der Natur, abseits von Lärm und Hektik, erleben wir, wie schön das Leben ist. In Griechenland fuhren wir drei Monate mit unserem kleinen Wohnmobil "Horst" die Küste entlang und fanden dort traumhaft schöne Plätze zum Baden, Lesen, Paddeln, Radfahren, ...

Und wenn wir schon morgens vor dem Frühstück den Tag mit einem ruhigen Gleitflug zum Strand beginnen konnten, war uns erneut klar:
"Wir möchten nie wieder jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch sitzen."