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"Mit 40 kündigen wir und reisen dann um die Welt."

Gabi wuchs in Braunschweig auf und studierte dort Sozialpädagogik. Christian verbrachte seine Jugend in Plön und zog für sein Maschinenbaustudium ebenfalls nach Braunschweig. Beim Hochschulsport lernten wir uns dann beim Wildwasserpaddeln kennen. Nach dem Studium und einer ersten gemeinsamen Fahrradreise in Neuseeland zogen wir ins Allgäu. Christian arbeitete dort bei einem Automobil-Zulieferer und Gabi zunächst in einem Berufsbildungs-Zentrum und später in einer Bank. Immer wieder unternahmen wir größere Reisen mit Fahrrad und Zelt, soweit der Jahresurlaub es eben zuließ. Doch der Wunsch nach Unabhängigkeit und mehr Zeit für Reisen undNeuseeland andere Hobbies wuchs ständig. Irgendwann war es nur noch eine Frage des richtigen Zeitpunkts zu kündigen:

Na ja, mit 40 hat es noch nicht geklappt, doch mit 43 war es soweit. 2003 haben wir unsere sicheren Arbeitsplätze gekündigt, schnell noch geheiratet und das Auto abgemeldet. Am nächsten Tag sind wir erneut für drei Monate mit unseren Fahrrädern nach Neuseeland geflogen.

Danach folgten mehrmonatige Reisen in Europa, Australien, Asien und Amerika, jeweils mit Zwischenaufenthalten in Deutschland, um Familie und Freunde zu sehen und mit verschiedenen Jobs etwas Geld zu verdienen. Da wir außer dem Reisen viele andere Interessen haben, recht kontaktfreudig sind und sehr sparsam leben, kommen wir ohne das frühere Berufsleben gut zurecht. So haben wir unsere Entscheidung auszusteigen auch nie bereut. Aber es ist eben ganz anders und neben vielen Höhen gibt es natürlich auch mal Tiefpunkte. 

Seit unserem Ausstieg sind nun 13 Jahre vergangen und ein neuer Lebensrhythmus hat sich eingestellt. Wir leben etwa sechs Monate im Jahr im Allgäu und arbeiten dort als Outdoor-Trainer und Wanderführer. Das andere halbe Jahr sind wir meistens mit den Fahrrädern unterwegs, oft mehrere Monate am Stück, um wieder einen anderen Teil unserer schönen Erde kennenzulernen.


Fernseh- und Pressebeiträge

bella
Raus aus dem Hamsterrad (Die ganze Woche 8.03.2017)
BR
Ist Hinschmeißen das neue Durchstarten? (Bild am Sonntag 19.04.2015)
Sat1-Pro7-Nachrichten Raus aus dem Job (Pro7/Sat1-Nachrichten 19.04.2015)
stern Raus aus dem Job - Ausstieg auf Zeit (Stern 2008)
bella
Mit dem Fahrrad um die Welt (Bella 2008)
sg
Raus aus der Tretmühle
(Münchner Stadtgespräche 2009)

▶ Häufige Fragen

Oft werden wir gefragt, wie wir das so machen: "Wie macht Ihr das finanziell ... habt Ihr geerbt oder im Lotto gewonnen? Wird das Leben ohne regelmäßige Arbeit nicht langweilig?" mehr ...

▶ Reiseberichte (Blog)

Etwa sechs Monate im Jahr sind wir auf Reisen unterwegs, meistens mit dem Fahrrad auf anderen Kontinenten. Da erleben wir so Einiges. mehr ...

Raus aus der Tretmühle (Münchner Stadtgespräche 2009)
Das Geld reicht bis 2047, haben Gabi und Christian Hajek sich ausgerechnet. Sparguthaben, Zinsen, Teuerungsrate, Rentenansprüche, Lebensversicherung – eine kleine Excel-Tabelle für die Lebensplanung. Vor fünf Jahren sind die beiden aus dem klassischen Erwerbsleben ausgestiegen – im Alter von 43. Jobs gekündigt, schnell noch aufs Standesamt („falls mal was passiert unterwegs“) und am nächsten Tag rein in den Flieger nach Neuseeland. Anknüpfen an die erste ganz lange Reise vor 20 Jahren. Damals, 1989, war Christian mit dem Studium in Braunschweig fertig und hatte seine erste Stelle als Maschinenbauingenieur im Allgäu bekommen. Gabi kündigte ihre Arbeit als Sozialpädagogin und zog mit. Vorher aber ging es noch drei Monate mit dem Fahrrad durch Neuseeland. Jeden Tag neu planen, neue Leute kennen lernen und immer in der Natur unterwegs. „Da haben wir das erste Mal an dieser Art Leben Gefallen gefunden“, sagt Gabi, „und das wollten wir nicht erst mit 60 oder 65 machen.“

Das Fernziel Ausstieg war da, auch wenn die nächsten 15 Jahre an der Karriere gebastelt wurde. Es ging beruflich bergauf – der Urlaub blieb der gleiche. Während ihre Azubis pauschal buchten, waren die beiden mit den Rädern unterwegs. Ernst machten sie erst, als sich bei Christian eine Versetzung aus dem Allgäu andeutete und Gabi sich in ihrem Job zu langweilen begann. Für die meisten Leute sei es unfassbar, meint Christian, dass man nach 20 Jahren Berufsleben schon genug Geld beisammen hat. Aber wenn man nur halb so viel ausgebe, müsse man nur halb so lang dafür arbeiten.

Hajeks wohnen in einem kleinen Dorf im Oberallgäu. Die 2 ½-Zimmer-Wohnung wollten sie eigentlich verkaufen. Aber es fand sich niemand, der einen akzeptablen Preis zu zahlen bereit war, und heute sind die beiden froh über diese Rückzugsmöglichkeit, wenn sie gerade nicht unterwegs sind. Eine ganz normale, unaufgeregte Wohnung ohne Schnickschnack. Die Möbel kommen nicht vom Designer, der Kaffee nicht aus der 1500-Euro-Cappuccinomaschine. „Ihr Spielzeug“ – Kajak, Gleitschirme, Skier – haben sie, weil sie damit gerne und oft draußen unterwegs sind. Aber sonst sind keine teuren Dinge angehäuft – weil’s nie wichtig und Verzicht nie ein Problem gewesen sei, erzählen Gabi und Christian. Langsam bekommt man als Besucher eine Ahnung davon, wie es gehen kann, mit knapp über 40 aus dem „normalen“ Leben aussteigen zu können.



Im Gleichgewicht
Die Verabschiederei sei schon tief rein gegangen, meint Gabi, auch wenn sie vorher gewusst habe, dass ihr die sozialen Kontakte zu den Kollegen fehlen würden. Machen wir das Richtige, habe sie sich oft gefragt. Zweifel, die durch das „Ihr könnt doch in der heutigen Zeit nicht eure Jobs aufgeben, in eurem Alter!“ aus dem Bekanntenkreis nicht kleiner wurden. „Aber Zweifel gibt’s immer mal, hat’s auch früher gegeben“, sagt Gabi heute. Das scheint nicht an ihr zu nagen, aber sie gehört zu denen, die sich fragen, wie das Leben anders sein könnte oder wie es gewesen sein könnte. „Man wählt einen Weg von den vielen, die man gehen kann, und fragt sich, ob es der richtige ist“, sagt sie und spricht von Menschen, die sich beschweren, weil sie keine Zeit haben. Die sich vom Beruf aufgefressen fühlen, auf die Rente warten und keine Balance im Leben finden. Auch das bestätigt den Hajeks, dass sie auf dem richtigen Weg sind.



Altersvorsorge statt Schmuck basteln
So richtig passen die beiden aus dem Allgäu nicht in das Bild, das man von Aussteigern schnell im Kopf hat. Nirgendwo hängen geblieben, um dann mit selbst gebasteltem Schmuck den Touristen ein paar Münzen abzuschwatzen. Nicht schon Mittags den ersten Joint und zum Sonnenuntergang die Bongos ausgepackt. Gabi und Christian Hajek gehören nicht zu denen, die ausgestiegen sind, weil zu Hause alles so schrecklich ist. Geerdet sind sie, mit Wohnung und Altersvorsorge. Und sie freuen sich drüber, dass das Trinkwasser aus der Leitung kommt, wenn sie von einer ihrer Reisen nach Hause kommen. Dass sie in Deutschland wohnen, weil man weiß, wie gut hier Gesundheitsversorgung, Bildungssystem und Arbeitsbedingungen sind, wenn man sich immer wieder mal woanders umschaut.

Wenig Leute in ihrem Alter seien so wie sie unterwegs, erzählen die zwei. Und wenn, dann für ein halbes oder ein Jahr – das klassische Sabbatical. Die meisten, die für ein paar Monate durch die Welt reisen, sind jung und nehmen eine Auszeit nach der Schule oder dem Studium. Oder sie sind Mitte Fünfzig und haben ihren Renteneintritt vorverlegt. „Kinder aus dem Haus und raus aus der Tretmühle“, sagt Christian. Wer noch unter fünfzig ist, fällt auf. „Ach ihr seid das, die immer unterwegs sind“, sagen die Leute aus dem Dorf. Man ist nicht gleich geächtet, aber zumindest bekannt. Auch beim Finanzamt, wo die Aussteiger lange in kein Raster passten. Keine Lohnsteuerkarte, aber auch kein Arbeitslosengeld, was ist da los? Inzwischen haben die Beamten Ruhe gegeben.



Kein Ausstieg aus dem Ausstieg
Geld verdienen Gabi und Christian Hajek immer noch – aber nur im Sommer. Ein- bis zweimal die Woche führen die beiden durch ein Museum über den mittelalterlichen Erzabbau im Allgäu, häufiger noch helfen sie in einem Hochseilgarten. Arbeit, die ihnen Spaß macht und die es auch möglich gemacht hat, die Wohnung nicht verkaufen zu müssen. Nur mittlerweile sind die Jobs zur Regel geworden, die Arbeitgeber warten schon, schicken Mails, rufen an, und es gibt bereits Anfragen der Skischulen aus der Umgebung. Kein schlechtes Gefühl, aber vereinnahmen lassen wollen sich die zwei auch nicht. „Wir müssen aufpassen, dass wir unseren Aussteigerstatus nicht gefährden“, meint Christian. Der Ausstieg aus dem Ausstieg kommt nicht infrage.

Denn dass sie Zeit haben, freut sie nicht nur auf Reisen. Ein langes gemeinsames Frühstück, ein Nachmittag mit einem Buch – was für die meisten Menschen ziemlich luxuriös ist, ist bei den Hajeks ganz normal. Geht man mit Zeit auch dann sorgsam um, wenn sie so reichlich vorhanden ist? „Die Prioritäten haben sich verschoben“, sagt Gabi. Früher, als die Zeit knapp war, sei sie viel oberflächlicher mit den Menschen umgegangen. Heute gehe die Kontaktpflege von ihr aus. Also packen die beiden demnächst mal wieder ihre Sachen, um die Verwandtschaft in Norddeutschland zu besuchen. Die ersten Jobs in diesem Jahr sind getan, und die Vorbereitungen für die nächste lange Reise stehen an, denn die Visa für sechs Monate Australien sind da. 2047, wenn das Geld zu Ende geht, sind die Hajeks beide 86. Was dann ist, interessiert sie heute nicht. Zumal die Planung jährlich aktualisiert wird – und bis jetzt wird das Geld nicht so schnell weniger wie gedacht. Text: Thomas Rath